Review Epic V10L     

Stefan Hess   Dezember 2014

 

 

Gemäss Epic wurde der neue Surfski V10L speziell entwickelt für Personen unter 75kg

und bis zu einer Körperlänge von 1.80m. Dabei sollte die Stabilität für diese Zielgruppe  gleich dem V10 sein

und die Geschwindigkeit noch höher ausfallen. Der Molokai World Championships Titel der Frauen wurde schon mehrmals von dem ursprünglichen V10L gewonnen. Ab 2014 ist die 2. Generation V10L erhältlich.

Ich konnte mehrere Wochen den Epic V10L  in flachem Wasser und bei Föhnsturm Bf 7 testen. Anbei möchte ich euch meine Erfahrungen schildern.

 

Spezifikationen

Länge: 615cm

Breite: 44cm

Tiefe: 30cm

Konstruktionen: 

-Club (16.3kg):

  Blauer Bug und Heck / aus Fieberglas, Kernmatte, Polyesterharz  

  unter Vakuum gebacken

-Performance (14.5kg):

  Schwarzer Bug und Heck / aus Mischung Fieberglas,  

  Carbon, Kevlar, Schaumkern mit Epoxidharz unter Vakuum gebacken

-Ultra (11.8kg, gemessen 12.1kg):

  Roter Bug und Heck / aus Kevlar und Wabenkern mit Epoxidharz

  unter Vakuum gebacken

 

3 Ruder von Epic zur Auswahl: Universal, Surf, Weedless

 

 

Erster Eindruck und Ausstattung

Was mir besonders beim Handling auffiel, war die Leichtigkeit der Ultra Konstruktion. Mit selbst gemessenen 12.1Kg ist das Gewicht rund 0.3Kg schwerer als die Werkangabe, was für mich noch im Toleranzbereich liegt.

Auf jeden Fall ist der Gewichtsvorteil der Ultra zur Performance Bauweise deutlich zu spüren. Vor allem an Land beim längeren Tragen und beim Auf- und Abladen vom Auto fällt dies auf. Insgesamt gestaltet sich das Handling bei allen Layups wegen der schmalen Form, dem niedrigen Gewicht und der Länge von (nur) 615cm an Land sehr gut. An Bug und Heck sind Griffe befestigt, wodurch das Tragen zu zweit erleichtert wird. Das kantige Vorderdeck mit den zum Teil abgeschrägten Seiten und dem schlanken Rumpf verleiht dem Boot ein sehr dynamisches Aussehen. Die Verarbeitung ist tadellos, nur die Ränder der Aufkleber Epic V10L an der Seite, blättern nach einigen Wochen bereits etwas ab.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stabilität und Passform

Die Sitzform passt für mein Gesäss wie angegossen. Die Rückmeldung vom Wasser ist durch den engen Bootskontakt sehr direkt, was für mich eine hohe Kontrolle des Bootes ergibt. Ich mit meinen 72kg und einer Länge von 184cm

bin aber schon im oberen Bereich. Nach 3-4 Stunden wird das Boot etwas unangenehm eng. Bei längeren Paddeltouren würde ich eher ein Boot mit breiterer Sitzform wählen. Was auffällt ist der niedrige Buckel unter den Knien. Die Beinarbeit kann so noch effektiver ausgeführt werden. Der V10L ist wie andere Epic Surfskimodele mit der bewährten Steuerplatte ausgerüstet. Position und Feintuning sind schnell regulierbar. Zu diesem Steuersystem gibt es für mich nichts einzuwenden. Für meine Beinlänge musste ich die vorletzte Position wählen. Viel grösser dürfte ich für dieses Boot nicht sein.

 

Die Stabilität des V10L finde ich merklich schlechter als die vom V10, was ich bei der primären sowie auch bei der sekundären Stabilität merke. Von der Ausführung Performance oder Ultra ist kaum einen Unterschied zu merken.

Eventuell würden leichtere Personen die Stabilität besser finden, denn mit meinen 72kg plus 2kg Ausrüstung bin ich gemäss Epic schon im oberen Bereich (Optimum bis 75kg). Trotzdem finde ich nach Eingewöhnung die Stabilität für diese Bootsklasse sehr gut.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fahreigenschaft und Geschwindigkeit

Die Kraftübertragung zum Wasser ist sehr effektiv, was mehrere Gründe haben kann. Einerseits könnte die höhere Sitzposition dazu beitragen. Diese ist höher als bei vielen anderen Booten (plus 5mm zu V10). Anderseits ist die Paddeleintauchposition durch das niedrige Vorderdeck (Höhe 30cm), der abgeschrägten Seitenflanken und der schmalen Bootsbreite sehr nahe an der Längsachse des Bootes.

Die Beschleunigung der Ultra Version ist bemerkenswert. Um den Geschwindigkeitsvergleich mit anderen Booten etwas objektivierbarer zu machen, vergleiche ich die Zeiten von den verschiedenen Booten anhand von Garmin in mehreren 1km Sprints. Dabei versuche ich immer die gleichen Bedingungen vorzufinden (keine Strömung, windstill, gleiche Tiefe, gleiche Wassertemperatur…).

Beim V10L Ultra komme ich auf eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 13.5km/h. Erstaunlicherweise erreiche ich mit dem V10 Performance 0.4km/h weniger (13.1km/h). Schade konnte ich die Boote nicht in gleicher Konstruktion (Gewicht) miteinander vergleichen. Wie viel vom Geschwindigkeitsunterschied tatsächlich das Gewicht ausmacht sei dahingestellt.

Der V10L ist meines Erachtens sehr richtungsstabil, was besonders in Wellen zu beobachten ist. Verantwortlich könnten der geringe Kielsprung und der lange Wasserkontakt des Ruders durch die vorgesetzte Ruderposition sein.

Die Wendigkeit mit dem Epic Surf und Universal Rudel ist gut; einiges besser wie beim V10 aber dennoch schlechter wie beim V10 Sport.

Was mir bald bei Wellengang auffiel, ist das schnelle Eintauchen des Bugs. Hier werden das geringe Volume und der kleine Kielsprung bemerkbar. Ausserdem ist das Ganze mit dem V10L in unruhigen Gewässern eher eine feuchte Angelegenheit.

Die Wellen schwappen durch den niedrigen Rand und das tiefe Vorderdeck schnell über. Was bei hohen Temperaturen eher erwünscht ist, gilt im Winter als Nachteil.

Der Epic Bailer, der ab der 2. Generation verbaut wird, ist konkurrenzlos spitze. Er lenzt schon bei niedriger Geschwindigkeit das Boot fast trocken und kann in mehreren Stufen geschlossen und geöffnet werden. Im Winter ist bei mir dies ein wichtiges Kriterium, da ich dann trockene Füsse sehr begrüsse. Der Geschwindigkeitsvorteil bei geschlossenem Bailer in Flachwasser sollte etwa plus 0.1km/h sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ruder

Epic bietet drei Ruder an. Surf 9“, Universal 8“ und das Weedless Ruder 6“.

Das grossflächige und lange Surfruder ist top. Dieses verleiht dem Boot mehr Stabilität, eine sehr gute Bootskontrolle und mehr Beweglichkeit. Im Kraut einfangen ist dieses Ruder jedoch auch spitze. Es bleibt fast alles hängen, was im Wasser so umherschwimmt. Ich bevorzuge dieses Ruder in rauen Gewässern.

Das Universalruder hat ähnliche Eigenschaften, jedoch weniger ausgeprägt.

Dem Weedless Ruder kann ich nichts Positives abgewinnen. Das Boot wird instabiler,  die Wendigkeit ist auch im Flachwasser schlecht und ein Geschwindigkeitsvorteil  ist nicht zu beobachten. Ohne den aufklebbaren (!) Deflektor ist auch das Weedless Ruder gegen Kraut wirkungslos.

Gegen Kraut empfehle ich andere Ruder. Z.B. das Nelo Marathon oder Select Ruder. Diese können mit wenig Aufwand ins Epic 10mm System eingebaut werden, sind krautfrei und geben einen signifikanten Geschwindigkeitsvorteil.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fazit

Der Epic V10L Surfski kann ich empfehlen für ambitionierte und leistungsorientierte Paddler und Paddlerinnen.  Etwas Surfski Erfahrung sollte schon mitgebracht werden, sonst werden die ersten Stunden mit dem V10L eher eine feuchte Angelegenheit:)

Er eignet sich für sportliche Trainings, wie auch für Rennen in flachen und gemässigten Gewässern. Für rauere Bedingungen sind aufgrund der geringeren Stabilität und Volumen gute Fähigkeiten gefragt.

Der V10L ist bei Paddlern unter 75kg sehr schnell und kann gut mit den anderen schnellen Booten mithalten. Der Paddler sollte wegen des Cockpits 185cm und 80kg nicht überschreiten.

 

Pluspunkte:

-passt für breites Spektrum von Paddlern; von weniger Geübten bis Profis

-äusserst schnell in Flachwasserbedingungen bei Personen unter 75kg

-grossartige Kombination von Geschwindigkeit und Stabilität

-Passform des Cockpits

-Fertigungsqualität

-Professionelles Unternehmen und Händler

-Griffe an Heck und Bug

-Stabile und gut verstellbare Steuerplatte

-Effektive Epic Universal und Surfruder

-exzellente Entwässerung (Bailer)

-sehr schmale Paddeleintauchposition (Catch)

 

Minuspunkte:

-inadäquates Epic Weedless Ruder

- nasse Fahrt bei Wellengang

-(nur) für Körpergrösse bis ca. 185cm

-Bei schwereren Paddler; zu wenig Volumen bei Wellengang