Walenstadt-Zürich   68km            

Stefan Hess        6. Mai 2015

 

 

 

 

Die Idee den Walensee, Linthkanal und Zürichsee in einem Stück zu durchpaddeln kam mir schon vor Jahren als ich die jeweiligen Teilstücken gepaddelt bin.

Ich erachtete die Tour wegen den verschiedenen topographischen Gegebenheiten als sehr abwechslungsreich und gut machbar in einem Tag. Geplant habe ich die Reise für den frühen Frühling, wenn die Luft und das Wasser eine moderate Temperatur erreicht haben. Das Wetter sollte auch noch mitspielen. Etwas Sonne war schon noch wünschenswert, denn 70km im kalten Dauerregen bevorzugte ich definitiv nicht.

Toll wäre es natürlich auch wenn der Wind stark von Osten käme, was bei dieser Gegend eher weniger vorkommt. Aber einen moderaten Westwind tolerierte ich für diese Tour auch.

 

Für den 6. Mai nach einer Kaltfront tat sich für die Tour ein Fenster auf. Ich hatte Zeit. Der Wetterbericht sah für diesen Tag am Morgen noch Regen und ab Mittag eine Wetterbesserung vor. Der Wind sollte mit Bf 1-3 von Westen kommen. Leider konnte Christoph arbeitstechnisch nicht mitkommen. Hätte mich sehr gefreut.

Was mich im Vorfeld etwas stutzig machte, war die Hochwassersituation in der Schweiz. Es hatte in den letzten Tagen stark geregnet und ich war mir nicht sicher wie sich das auf den Linthkanal auswirken sollte. Der Abfluss in Linthkanal war mit knapp 150m3 etwa dreimal soviel wie normal. So beschloss ich mich bei der Anreise die Stromschnelle bei Ziegelbrücke vom Land aus zu begutachten. Die Strömung war schon erheblich aber die Wellen bei der Stromschnelle weniger und flacher als bei niederen Wasserständen. Ich erachtete die Situation für mich im Surfski als gut machbar.

 

Ich wählte für die Tour wegen der guten Gleiteigenschaften und der super Ergonomie den Epic V10 aus. Vor den Fusspedalen hatte ich ein 2 Liter Trinksystem mit Wasser und hinten auf dem Deck ein 20L Deck-Bag mit Essen (Schokolade und Glucose) und Kleinmaterial (Kleider, GPS, Apotheke, …). Dankbar bin ich meinem Vater Walti, der mich freundlicherweise auf Walenstadt fuhr. So konnte ich mit Support im Regen um 11:00 starten. Der Wind war eingeschlafen, das Wasser fast glatt. Ich kam mit 10.5-11km/h gut voran. Ich fuhr nahe am schönen und abwechslungsreichen rechten Ufer. Bei Quinten war die Sonne schon da. Wie so oft war das Wetter besser als angesagt. Nach ca. 1.5 Stunden hatte ich den Walensee schon hinter mir. Die Linthkanal war durch den 150m3 Abfluss anderst wie sonst. Das Hochwasser reichte weit ins Land hinein und auch die Strömung war nicht zu verachten, so erreichte ich ein Maximum von 22km/h. Zum Fahren war der Linthkanal nicht so entspannt wie sonst. Die vielen Unterwasser Querströmungen machten eine Steuerkorrektur ständig nötig.

 

Im Obersee angekommen war das Wetter bereits sommerlich. Erstaunlicherweise und auch zum Glück war vom angesagtem Westwind immer noch nichts zu bemerken. Ich fuhr am Landhaus von C.G. Jung vorbei möglichst direkt nach Rapperswil. Nach ca. 4 Stunden und 42km sehe ich das schöne Schloss Rapperswil vor mir. Ausser etwas Nackenbeschwerden und schwere Arme fühlte ich mich noch sehr gut. Nach einer Pause auf dem Wasser paddelte ich am rechten Zürichseeufer weiter.

Die Geschwindigkeit liess ein wenig nach. Ich erreichte aber immer noch 10-10.5km/h im Durchschnitt bei immer noch fast Windstille. Das erstaunte mich etwas. Ich dachte nicht, dass ich mit zusätzlichem Gepäck von etwa 7 Kg auf diese Geschwindigkeit erreiche. Scheint so, dass mein Bootstyp nicht so sehr mit Geschwindigkeitsreduktion bei höherem Gewicht reagiert. Bei anderen Bootstypen habe ich schon anderes beobachtet.

 

Kurz nach 18:00 erreichte ich nach rund 68km Zürich. Das Boot stellte ich in den Busch um es am anderen Tag zu holen. In der anschliessenden ÖV war der Kontrast schon gewaltig.

Am Morgen bei Regen und Menschenleere in den Bergen, am Abend nach rund 7 Stunden im Surfski bei Sommerwetter stand ich bei Rush Hour mit dem Paddel in der Hand in der S-Bahn. :)

 

 

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